Antonia Baehr, Bertolt Brecht Gastprofessorin der Stadt Leipzig am CCT im Wintersemester 2019/20, bei ihrer Antrittsrede im Alten Senatssaal der Universität Leipzig (c) CCT/Daniel Herold
Antonia Baehr, Bertolt Brecht Gastprofessorin der Stadt Leipzig am CCT im Wintersemester 2019/20, bei ihrer Antrittsrede im Alten Senatssaal der Universität Leipzig (c) CCT/Daniel Herold

Die Bertolt Brecht Gastprofessur wird halbjährlich an herausragende Künstler und Künstlerinnen aus den Bereichen Theater, Tanz, Performance- und Medienkunst vergeben. Die Gastprofessoren und -professorinnen bereichern mit ihrer internationalen künstlerischen Expertise die Lehre und die Forschung. Gleichzeitig vermitteln sie aktuelle theater- und kulturbezogene Fragestellungen an die Öffentlichkeit der Stadt Leipzig. Die Bertolt Brecht Gastprofessur verstärkt so nachhaltig den Austausch zwischen Theorie und Praxis, Wissenschaft und Künsten am Institut und in der Stadt Leipzig.

Die Bertolt Brecht Gastprofessur wurde in Kooperation des Center of Competence for Theatre an der Universität Leipzig (CCT) mit der Stadt Leipzig eingerichtet.

Für die Studierenden bieten die berufenen Künstler und Künstlerinnen jedes Semester ein Szenisches Projekt an, das als eigenes Modul mit 10 Leistungspunkten Teil des Curriculums im Bachelor- und Masterstudiengang ist. Das Szenische Projekt findet in der Regel in Blockterminen statt und endet mit einer öffentlichen Präsentation und einer schriftlichen Ausarbeitung.

Bertolt Brecht Gastprofessorin im Wintersemester 2019/2020: Antonia Baehr

Die international tätige und renommierte Choreo­grafin, Performerin, Filmemacherin und bildende Künstlerin Antonia Baehr lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Stücke unter­suchen die Fiktion des Alltäglichen und des Theaters.

Baehr studierte bei Valie Export in Berlin und absolvierte ihren Master am School of the Art Institute of Chicago. Seit 2006 unterrichtet sie als Gastprofessorin an verschiedenen Hochschulen Europas. Baehr ist außerdem Produzentin des Pferdeflüsterers und Tänzers Werner Hirsch, des Musikers und Choreografen Henri Fleur, des Composer/Performers Henry Wilde u.a.

Ihre bekanntesten Bühnenproduktionen sind: „Un après-midi“ (2003), „Danke“ (2006), „Lachen“ (2008), „Over The Shoulder“ (2009), „For Faces“ (2010), „Abecedarium Bestiarium“ (2013), „The Wildes“ (2014), „Misses und Mysterien“ (2015), „Normal Dance“ (2016), „Musik für tote Tiere „(Serie, seit 2017) und Exit (2018).

Neben ihren Theater- und Performancearbeiten sowie Einzel- und Gruppenausstellungen hat Antonia Baehr bereits mehrere Bücher veröffentlicht und zwei Hörspiele produziert.

Weitere Informationen zu Antonia Baehr unter www.make-up-productions.net.

Die feierliche Ernennung mit Empfang findet am 29.2019 um 19 Uhr (Ort) statt.  (als Infokasten)

Szenisches Projekt

"In the Morning there is meaning, in the evening there is feeling" (Gertrude Stein)

Antonia Baehr: „In diesem szenischen Projekt werden wir verschiedene Arbeitsweisen erproben, insbesondere die Arbeit mit Partituren, Verträgen, Performance, Choreografie, und Stimmarbeit… Wir werden über­wiegend praktisch miteinander arbeiten, zu zweit, zu dritt und in der Gruppe. Wir werden Imitation und Nachahmung in eignen Performanceskizzen angehen. Wir werden feministische Partituren praktisch erkunden. Wir werden uns der Methode des “Alba Emoting” annähern (diese Technik beabsichtigt, die Körpermuster von sechs so genannten "universellen Basisemotionen" aus Atem­rhythmus, Körperhaltung und Gesichtsausdruck einzunehmen: Freude, Trauer, Wut, Angst, erotische Liebe und Zärtlichkeit. Aus diesen sechs Basisemotionen werden dann alle weiteren Emotionen gemischt, vergleichbar mit den Primärfarben in der Malerei). Wir werden Partituren und kurze Stücke für einander schreiben und spielen, die auf zeitverschobenen Portraits basieren. Dafür werden wir uns mit Zeitlichkeit und dem Begriff des "Temporal Drag" (Elizabeth Freeman) befassen. Vor allem werden wir unsere eigenen Performances entwickeln und spielen.“

 

Veranstaltungen zur Gastprofessur von Antonia Baehr

Empfang von Antonia Baehr als Bertolt Brecht Gastprofessorin der Stadt Leipzig am CCT

Dienstag, 29. Oktober 2019
Alter Senatssaal der Universität Leipzig | Ritterstraße 26, 1. OG | 04109 Leipzig.

Frühere Bertolt Brecht Gastprofessuren

Die Gastprofessur wird im Sommersemester 2019 von Herrn Michael von zur Mühlen besetzt, einem der interessantesten Regisseure und Dramaturgen europäischen Gegenwartstheaters. Seit 2004 inszeniert er genreübergreifend Schauspiel, Oper und zeitgenössisches Musiktheater u.a. am Forum Neues Musiktheater der Staatsoper Stuttgart, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, der Oper Leipzig, dem Nationaltheater Weimar, dem DT Göttingen, dem Staatstheater Darmstadt, der Staatsoper Berlin und der Oper Halle.

Seit Beginn der Spielzeit 2016/17 ist er Regisseur und Chefdramaturg im Leitungsteam der Oper Halle, deren avanciertes Programm seit dem künstlerischen Neustart im Sommer 2016 deutschlandweit große Beachtung gefunden hat. So erhielt die Oper Halle bspw. in der Saisonbilanz 17/18 der Fachzeitschrift Die Deutsche Bühne in der Kategorie „Überzeugendste Theaterarbeit abseits großer Theaterzentren“ die meisten Nennungen und wurde damit als wichtiger kultureller Leuchtturm ausgewiesen.

Eine wichtige Rolle in der Arbeit von zur Mühlens spielt die Auseinandersetzung mit Bertolt Brecht, dessen Werke Die heilige Johanna der Schlachthöfe, Leben des Galilei, Lehrstück und Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny er inszenierte. Zur Mahagonny-Inszenierung (2016, Oper Halle) schrieb Theater der Zeit: „Das ist Kapitalismuskritik auf der Höhe ihres Gegenstandes.“

Michael von zur Mühlen studierte Musikwissenschaften und Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin und Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Er ist regelmäßiger Gast bei Podiumsdiskussionen (u.a. Salzburger Festspiele, Akademie der Künste, Staatsoper Berlin, Brechthaus Berlin) und veröffentlichte Essays und Beiträge zu Musik und Theater in Zeitschriften wie Die Deutsche Bühne und Theater der Zeit.

 

Michael von zur Mühlen, Bertolt Brecht Gastprofessor der Stadt Leipzig am CCT im Sommersemester 2019
Michael von zur Mühlen, Bertolt Brecht Gastprofessor der Stadt Leipzig am CCT im Sommersemester 2019. Foto: CCT/Swen Reichhold

Die Gastprofessur wurde im Wintersemester 2018/19 von Frau Helena Waldmann besetzt, einer der bedeutendsten freien Tanzregisseurinnen des europäischen Gegenwartstheaters. Ihre Choreographien entstehen und touren weltweit. Die Themen ihrer Arbeiten reichen von der erschreckend anarchischen Freiheit der Demenz (revolver besorgen, 2010) und vom lustvollen Spiel mit Abhängigkeiten (BurkaBondage, 2009) bis zum anarchischen Fest gegen die Arbeitsdiktatur der Leistungsgesellschaft (feierabend! – das gegengift, 2008). Waldmanns Stücke entstehen in Dhaka, Tokyo, Kabul, aber auch in Teheran, wo sie äußerlich eingeschränkte, aber umso souveränere Frauen in islamischen Staaten feiert (Letters from Tentland – dance under cover, 2005) und die Antworten auf die europäische Asylpolitik durch iranischen Exilantinnen inszeniert (return to sender – Letters from Tentland, 2006). Sie arbeitete in Ramallah mit Menschen, die tanzen müssen, um unter den Umständen der Blockade nicht verrückt zu werden (emotional rescue, 2006) und in Salvador de Bahia, wo sie für ihre von Fremdbestimmung gefangenen Wesen (Headhunters, 2003) den Theaterpreis der UNESCO erhielt.

Waldmanns Choreographien ziehen im Sinne Brechts Parallelen zwischen sozialen und künstlerischen Bedingungen von Produktion, (Selbst-)Ausbeutung und (unfreiwilliger) Zugehörigkeit zu sozialen oder nationalen Gruppen. Für ihre Inszenierung Made in Bangladesh (2014), welche die Lebenswelten von Näherinnen in Südasien in Analogie zum Tänzerprekariat in der westlichen Welt brachte, wurde sie für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2015 nominiert. Zuletzt untersuchte sie mit Tänzern, Akrobaten und 22 Mauerbauern das Ansehen des Passes in Hinblick auf die Bewegungsfreiheit, die er garantiert oder nimmt (Gute Pässe Schlechte Pässe, 2017).

Der Öffentliche Empfang zu Ehren der Bertolt Brecht Gastprofessorin der Stadt Leipzig Helena Waldmann fand am

Freitag, 2. November 2018, 18 Uhr
in der Aula der Volkshochschule Leipzig | Löhrstraße 3-7 | 04105 Leipzig statt.

 

Weitere Veranstaltungen:

Screening und Gespräch zu Made in Bangladesh (2014)
REIHEN WEISE FREMD | STRANGE IN SERIES #2

Donnerstag, 22. November 2018, 19 Uhr
Institut für Theaterwissenschaft | Ritterstraße 16 | 04109 Leipzig

 

Die Grenzen des Möglichen erweitern
Gespräch der Bertolt Brecht Gastprofessorin Helena Waldmann
mit Heike Faude (Festival Theater in Bewegung, Jena) und Patrick Primavesi (Institut für Theaterwissenschaft, Uni Leipzig)

Donnerstag, 29. November 2018, 19.30 Uhr
Ost-Passage Theater | Konradstraße 27 | 04315 Leipzig

 

Helena Waldmann, Bertolt Brecht Gastprofessorin der Stadt Leipzig am CCT im Wintersemester 2018/2019, bei Ihrem Empfang in der Aula der Volkshochschule Leipzig
Helena Waldmann (2.v.l.), Bertolt Brecht Gastprofessorin der Stadt Leipzig am CCT im Wintersemester 2018/2019, bei Ihrem Empfang in der Aula der Volkshochschule Leipzig. Foto: CCT/Daniel Kovalenko

Im Sommersemester 2018 geht die Bertolt Brecht Gastprofessur der Stadt Leipzig – unter dem Vorbehalt seiner Ernennung durch die Rektorin der Universität Leipzig – an den japanischen Theaterregisseur Motoi Miura.
Motoi Miura ist einer der bedeutendsten Regisseure des japanischen Gegenwartstheaters mit internationaler Wirkung und Ausstrahlung. Er leitet seit 2001 die japanische Theatergruppe CHITEN („Ort“, „Platz“) in Kyoto und ist mit ihr in Gastspielen u.a. in Moskau, St. Petersburg, London, Frankreich und Deutschland hervorgetreten. Aufsehen erregte seine Inszenierung von Elfriede Jelineks „Kein Licht“ auf dem wichtigsten japanischen Theaterfestival, Festival/Tokyo, 2012. Motoi Miura und CHITEN haben einen eigenen Stil entwickelt, der die Grundzüge des japanischen Puppenspiels Bunraku und Brechts Theorem  der Trennung der Elemente äußerst gewinnbringend verbindet: Eine eigenständige, hochmusikalisierte Stimmführung und ein  ebenso eigenständiges Gestenrepertoire, jeweils differenziert und nuanciert den unterschiedlichen Stücken und Räumen der Inszenierung angepasst.

Miura und CHITEN beziehen sich implizit und explizit auf Brecht: Mit FATZER (2013) hatten sie zwei Gastspiele in Leipzig und bei den Fatzer-Tagen in Mülheim. Im Juni 2019 wird Motoi Miura mit CHITEN im Rahmen des 16. Symposium der International Brecht Society mit dem Titel „Brecht unter Fremden“ in Leipzig zu Gast sein und die Produktion Brechtseller zeigen. Im Rahmen der Bertolt Brecht Gastprofessur im Sommersemester 2018 wird Motoi Miura mit den Studierenden des Instituts für Theaterwissenschaft szenisch zu Die drei Schwestern von Anton Tschechow arbeiten.

Der öffentliche Empfang zu Ehren der Ernennung von Motoi Miura zum Bertolt Brecht Gastprofessor findet am Dienstag, 26. Juni 2018 im Alten Senatssaal der Universität Leipzig statt. Am Montag, 2. Juli 2018, wird eine Diskussionsveranstaltung mit Motoi Miura zum (japanischen) Gegenwartstheater im Ost-Passage-Theater stattfinden.

 

Motoi Miura, Bertolt Brecht Gastprofessor der Stadt Leipzig am CCT im Sommersemester 2018, bei seinem Empfang im Alten Senatssaal der Universität Leipzig
Motoi Miura, Bertolt Brecht Gastprofessor der Stadt Leipzig am CCT im Sommersemester 2018, bei seinem Empfang im Alten Senatssaal der Universität Leipzig. Foto: CCT/Swen Reichhold

Die Gastprofessur wurde im Wintersemester 2017/18 mit Herrn Peter Konwitschny erstmalig besetzt. Der international renommierte und vielfach ausgezeichnete Musiktheaterregisseur ist einer der wichtigsten und prominentesten Regisseure des internationalen Musiktheatergeschehens der letzten Jahrzehnte. Peter Konwitschny absolvierte ein Regiestudium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin und assistierte von 1971 bis 1979 am Berliner Ensemble unter der Intendanz von Ruth Berghaus. Er inszeniert seit 1980 hauptsächlich Opern, aber auch Dramen und Stücke u.a. von Bertolt Brecht, Heiner Müller und Gerhart Hauptmann. Seit 1990 ist er in ganz Europa und darüber hinaus ein gefragter und kontrovers diskutierter Regisseur (u.a. in Graz, Basel, Moskau, Paris, Kopenhagen, Wien, Tokio, Barcelona, Amsterdam, Seoul). 2008–2011 war Konwitschny Chefregisseur der Oper Leipzig. Peter Konwitschny ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, Mitglied u.a. der Akademie der Künste zu Berlin, der Freien Akademie der Künste zu Leipzig sowie Honorarprofessor an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin.

Empfang

Am Montag, 11. Dezember 2017, fand im Ratsplenarsaal des Neuen Rathauses ein gemeinsamer Empfang von Universität und Stadt Leipzig aus Anlass des Amtsantrittes von Prof. Peter Konwitschny statt. Bilder von dieser Veranstaltung finden sich demnächst hier.

Gesprächsrunde

Am Donnerstag, 11. Januar 2018, berichtete Peter Konwitschny in einer Gesprächsrunde mit der Dramaturgin Bettina Bartz und dem Theaterwissenschaftler Günther Heeg über seine Arbeiten der vergangenen Jahre. Die öffentliche Veranstaltung fand im großen Saal der Schaubühne Lindenfels statt.

 

Der erste Bertolt Brecht Gastprofessor der Stadt Leipzig am CCT der Universität Leipzig, Herr Peter Konwitschny, bei seinem Empfang im alten Ratsplenarsaal der Stadt Leipzig
Der erste Bertolt Brecht Gastprofessor der Stadt Leipzig am CCT der Universität Leipzig, Herr Peter Konwitschny, bei seinem Empfang im alten Ratsplenarsaal der Stadt Leipzig. Foto: CCT/Swen Reichhold 2017
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